PRESSEMEINUNGEN

   
 
 

Der Maler Clemens Gröszer. ZWISCHEN ANMAßUNG UND DEMUT

Antlitz", das ist die gehoben dichterische, wohl auch ein wenig altmodische Bezeichnung für Gesicht. Für das, was der Mensch anderen zuwendet - als Visitenkarte - und das etwas von seinem Wesen preisgeben kann zwischen Kinn und Stirn. Gesicht wäre viel zu profan im Hinblick auf die Bildnisse des Berliner Malers Clemens Gröszer. Bei ihm ist ein Antlitz nicht bloß Äußerlichkeit. Oft wird die Haut durchlässig für Gefühle, die von innen nach außen drängen. Aber auch durchlässig für den Blick von außen, der zu ergründen sucht. Da wird Melancholie offensichtlich, Ironie, auch Aggressives. Und bisweilen schaut man da auch auf eine verstörende Maske.

Clemes Gröszer: Engel MMVIIGröszer stellt jetzt in der Potsdamer Bertinistraße aus, an jener kulturhistorisch interessanten Meile, die bis zum Fall der Mauer in einen Dornröschenschlaf versetzt war und deren geschichtsträchtige Villen samt angrenzendem Lenné-Park nun, saniert und investitionsmutig bezogen, neue Bürgerlichkeit gewinnen.

Mitten hinein in diese neue Gründerzeit setzt der 59-Jährige seine "Antlitze", Gemälde, fast plastisch dichte Zeichnungen und Skulpturen aus den Neunziger und 2000er-Jahren. Es sind moderne Gestalten, diese Akte, diese chimärenhaften Bronzeengel auf der Weltkugel. Die fast porentiefen Porträts. Und zugleich sind dieser Werke auch altmeisterlich-manieristisch. Aktmodelle wie "Lydia" und "Monica mit rosa Handschuhen", die im Blick auf die Blöße der schönen, zugleich vergänglichen Körper zu Vanitas-Motiven werden.

Heidi Vogel, eine Bildhauerkollegin des Malers, ist auf ihre Weise eine Schönheit, allerdings eine mit gnadenlos scharfen Zügen. Realistisch Sicht und kritische Analytik gehen ins Eins. Gemalt ist die Frau ganz aus der malerischen Faszination des Köperlichen, das zugleich Wesenhaftigkeit meint. Hier wurde nicht idealisiert, aber auch nicht karikiert. Sie ist eine starke, eigensinnige, zugleich sensible Persönlichkeit, das besagen Augen, Mund, Nase - und die sich energischer Formung von Bildhauermaterial bewussten Hände. Letztere lassen an die Manier eines Cranach denken, beim "Antlitz" ist man auch an den Verismus von Dix erinnert.

Gröszers Bildwelt, dieses Spiel mit perfekten Lasuren, wird geradezu irritierend lustvoll vom Menschen beherrscht, von Frauen, nackt oder halb bekleidet, lasziv posierend, oft dominierend selbstbewusst, daneben Gegenstände, die mit Bedeutungen aufgeladen sind: exotische Pflanzen, opulenter Zierrat, magische Kugeln, schrille Dessous. Das Hervorheben von Individualitäten, mit dieser kühnen Mischung aus Trivialem und klassischer Lasur-Technik hatte dieser Maler schon in den Achtzigern eine Clemes Gröszer:  Monica mit rosa HandschuhenAußenseiterrolle in der Kunstszene eingebracht. Clemens Gröszer, an der Kunsthochschule Weißensee ausgebildet und danach Meisterschüler bei Wieland Förster an der Akademie der Künste, war Mitglied der Künstlergruppe Neon-Real (mit Harald Schulze und Rolf Biebl). Damit aber gehörte er weder Malern einer mythologischen Geheimsprache an, wie man sie in der Leipziger Schule pflegte, noch passte er in die weltabgewandt-arkadische Berliner Schule. Gröszer kultivierte und bewahrte sich - in seiner unorthodoxen Hinwendung zu Otto Dix, Christian Schad, Georg Schrimpf, bisweilen zu Magritte und de Chirico und Alten Meistern wie Cranach, Dürer, Holbein, Bosch - seine Eigenart, gerade auch im verwirrenden globalen Ismus-Kunstmarkttrubel heute.

"Alles, was ich sehe, ist nur Maskerade", äußerte er vor einigen Jahre, als er seinem Schlüsselbild "Marin a cholie" von 1983, das der Neuen Nationalgalerie Berlin gehört und in dem eine Hurengöttin vor Caspar David Friedrichs Kreidefelsen auf Rügen sitzt, in einer neuerlichen Malversion ein brutal kneifendes Korsett um Hüfte und Bauch schnürte. Das Monstrum verformt die weichen Körperzonen zu harten Wülsten. Das harnischartige Oberteil geht über in eine steife Halsstütze und von da in einen turmhohen Turban, den man auch als extremen Kopfverband sehen könnte.Clemes Gröszer: Portrait Heidi Vogel

Und auch heute steht nicht der Gesellschaftskritiker an der Staffelei, vielmehr ein durch und durch ästhetischer Beobachter, vielleicht auch ein Bonvivant. Es geht ihm nicht um soziale Vivisektion; ihn interessiert der malerische Selbstausdruck für das Changieren von Individualität im trivialen Welttheater.

Gröszer rückt hartnäckig Sinnbilder vom Menschen vor Augen, mal in subtiler Lasur, oft aber zugespitzt und ans Groteske stoßend. Die Details sind raffiniert ausgearbeitet und ästhetisch wohl kalkuliert. In diesen "Antlitz"-Bildnissen vereinen sich künstlerische Anmaßung, heutzutage seltene malerische Virtuosität und tiefe Demut vor dem, was ihm nach wie vor am allerwichtigsten ist, was nicht verschwinden darf aus der Kunst: das Menschenbild.

Foto: Hinter grüner Maske: Gröszers nackte "Monica mit rosa Handschuhen", 1997/2004.

Foto: Die Frau vor kaltgrünblau leuchtendem Hintergrund, vor sich ein Tuch mit Erdbeeren, malte Gröszer lebendig atmend. Zugleich scheint das intelligente Wesen der energisch wirkenden "H.V." auch sehr verwundbar zu sein

von Ingeborg Ruthe
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0824/berlinplanerkunst/0007/index.html

 

 
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 11. JUNI 2010
 

AUSSTELLUNG: PREUSSISCHER FRÜHLING Kommentare von Julia Theek, Moritz Götze und Sibylle von Preussen zum Luisenjahr im Kunstkontor am Jungfernsee

POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Friederike hat sich Luise in ihrer Galerie geholt. Und es ist im gegenwärtigen Luise-Boom vielleicht die schönste, weil lebendigste und originellste Ausstellung über die von der Nachwelt „poetisch angehauchte“ (Leopold Ranke) und verklärte preußische Königin geworden. Friederike Sehmsdorf – welch treffend zufällige Namensgleichheit mit Luises jüngerer Schwester! – feiert mit dieser feinen Präsentation das dreijährige Bestehen ihrer Galerie in den Räumen in der Bertinistraße. Drei Künstler ihrer Galerie hat sie dazu eingeladen: Julia Theek, Moritz Götze und Sibylle von Preussen.

Moritz Götze beherrscht erst einmal die Eingangssituation. In seine präzis und naiv sich darbietende Malerei hat sich die Ironie eingenistet. Des Volkes Bild von Luise zeigt er in Moritz Götze: Der Traumdrei Arbeiten auf Papier. Auf einer Bildtafel steigt sie als Superstar, von Bühnennebel umhüllt, zwischen sternenübersäten Kulissen umjubelt zu ihren Untertanen herunter. Götzes aus Industrieemaille gefertigte Serien-Mädchen tragen Kleider mit Luisen-Szenen – Luise als modischer Gag oder Zeichen ihrer Inkarnation im Gegenwärtigen? Emaillemalereien prägen überhaupt die Auswahl, von Köpfen aus dem „Preußischen Walhalla“ mit Schinkel, Kant, Fontane und dem unabkömmlichen Friedrich II. bis zu einem Ölgemälde nach historischem Vorbild mit Luise und Schwester Friederike vor der Büste Wilhelm II., umgeben von einem erschlagend prunkvollen Emaillerahmen.

Doch dann folgt die relativ kleine Auswahl von Arbeiten Julia Theeks. Sie holt Luise erbarmungslos herunter vom Sockel, und das nicht zu deren Schaden – keine nebulöse Verehrung, sondern Achtung, jJulia Theek: Kaiser, König und Ikonea Hochachtung vor dieser Frau. Historie im ganz Persönlichen spiegelt ein Triptychon: Die junge Luise in ihrer glücklichen Potsdamer Zeit mit Briefzitat; Luise mit kriegerischem Helm in einer französischen Karikatur mit Briefzitat Napoleons und schließlich im Exil in Königsberg und ihrem Ausspruch „Wir sind auf den Lorbeeren Friedrich des Großen eingeschlafen“. Das alles ist, wie immer bei Julia Theek, mit einer aufwendigen Schablonentechnik gemacht. Man möchte dieses Triptychon in Paretz hängen sehen! Und noch ein Objekt gehört ins Museum, ein Schuhleisten und ein Damenschuh, die, auf den Punkt gebracht, mehr sagen als jede weitschweifige Erklärung über Luises Leben. In was für einen, im Inneren mörderischen, nach außen ordensgeschmückten Schuh hat das Leben Luise gezwängt! Standing Ovation für Julia Theek!

Aber da ist ja Preußen auch noch persönlich vertreten mit Sibylle von Preussen, preußisch angeheiratet. Preußische Ornamentik wird von ihr in Scherenschnitten entdeckt. Auch Sibylle von Preussen: AusblickKornblumen sind ihr Motiv, vom kräftigen Blau bis hin zur ersterbenden Farbe, dem von Friedrich II. geliebten Bleu mourant. Dem Berliner wurde dabei „blümerant“. Sibylle von Preussens Annäherungen an ein weit verbreitetes Porträt Luises sind in erblassender Farbigkeit ein Abschied von Luise. So rundet sich eine Ausstellung, die in Kunstwerken geistvoll und mit sinnlichem Genuss Historie erhellend vermittelt.

Von Arno Neumann
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11820271/60709/

 

   
 
Tagesspiegel vom 02.10.2009
 

IMPRESSIONISMUS IN DER MARK BRANDENBURGBarbara Klemm fotografiert wie eine Seiltänzerin, das Distanzmittel Schwarzweiß wird zum Netz

Eine Ausstellung in der Potsdamer Galerie Kunstkontor zeigt ihre Landschaftsbilder - ein Geschenk.

Junges Birkengrün, man meint zu spüren, wie sich Stämme wiegen und Blätter rauschen. Ein anderes Bild: Ruderboote auf trägem Gewässer, Impressionismus in der Mark Brandenburg. Oder: eine satte Wiese, Storch und Rindvieh in friedlicher Koexistenz. Es ist eine Zeitreise nach Arkadien, eine Sehnsuchtstour in brillantem Schwarzweiß, die der Betrachter gemeinsam mit der Fotografin Barbara Klemm antritt. Altmodische Fotos, ganz gewiss. Aber auch das Abenteuer einer Schönheit, die das Alter kennt.

Barbara Klemm ist ein diskreter Mensch. Die 1939 geborene Künstlerin streitet bis heute ab, eine zu sein. Als Redaktionsfotografin verhalf Klemm über drei JahBarbara Klemm: Havelberg, Mark Brandenburgrzehnte lang der FAZ – besonders dem Feuilleton und der Tiefdruckbeilage „Bilder und Zeiten“ – zu einem Gesicht. Bis zum altersbedingten Ausscheiden aus der Redaktion 2004 gehörte sie zu den produktivsten Fotojournalistinnen ihrer Generation. Seither arbeitet sie freiberuflich, geht weiter auf Reisen, betreut Workshops für junge Fotografen, am liebsten in Osteuropa. Barbara Klemm ist eine Fotografin im Unruhestand.

In der Potsdamer Galerie Kunstkontor, unweit des Havelufers selbst traumhaft schön gelegen, zeigt die Galeristin Friederike Sehmsdorf nun 23 Landschaftsfotos und zwölf Künstlerporträts von Klemm (alle Arbeiten gerahmt, je 980 Euro). Noch nie zuvor waren so viele ihrer Landschaftsbilder in einer Galerie versammelt, fotografiert hat Klemm sie für Barbara Klemm: Mark BrandenburgBücher wie Günter de Bruyns 1993 erschienenen Band „Mein Brandenburg“ oder Thomas Steinfelds Weimar-Buch. Nicht zufällig findet Klemm ihre Motive bevorzugt im Osten. Es sind die vergessenen, schwach bevölkerten, in der Zeit versunkenen Ecken, selbst wenn sie wie Schloss Sanssouci oder Pücklers Grabpyramide im Branitzer Park tagsüber von tausenden Touristen bestürmt werden. Klemm blickt zurück, auch formal. Gegenwart findet, etwa beim Foto der schaurig-schönen Abraumhalde des Tagebaus Jänschwalde, am Horizont statt. Oder, für Eingeweihte erahnbar, auf der Pillnitzer Schlossterrasse kurz nach dem Elbehochwasser 2002.

Barbara Klemm behandelt ihre Motive mit Empathie. Sie fotografiert wie eine Seiltänzerin, das Distanzmittel Schwarzweiß wird zum Netz. Klemms Einfühlungsvermögen, bei den Landschaften zuweilen in Absturznähe, garantiert bei ihren Künstlerporträts psychologische Tiefenschärfe. Wunderbar, wie der kleine, leicht gebeugte und dennoch unbeugsame Ost-Berliner Maler Horst Bartnig mit langem Rauschebart zwischen zwei abstrakten Großformaten steht. Oder wie Ingo Schulze, der Schriftsteller und Freund, gegen das Spiegeln und Irrlichtern einer Schaufensterscheibe ansitzt. Klemm macht Bilder klarster Komposition und höchster Raffinesse. Ein Geschenk.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.10.2009)
http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen/Fotografie-Barbara-Klemm;art2652,2913678

 
MINISTERIN WANKA ERÖFFNET AUSTELLUNG
VON BARBARA KLEMM
Kulturministerin Professor Dr. Johanna Wanka hat heute im Kunst-Kontor Potsdam die Fotoausstellung „Landschaften und Künstlerporträts von Barbara Klemm“ eröffnet.

„Die Ausstellung von Barbara Klemm präsentiert Arbeiten von einer der bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands“, lobte Ministerin Wanka in ihrem Grußwort. „Ihre schwarzweiß Fotografien geben Zeugnis von der historischen Entwicklung und der Gegenwart in einem jahrzehntelang geteilten Land. Viele ihrer Bilder sind zu "Ikonen der Zeitgeschichte" geworden und prägen das kulturelle Gedächtnis mehrerer Generationen. Klemms Arbeiten sind eine große Bereicherung zu den Ausstellungen, die im Rahmen von Kulturland Brandenburg „Demokratie und Demokratiebewegungen“ zu sehen sind“, so Ministerin Wanka weiter.Eröffnung der Ausstellung von Barbara Klemm

Die Ausstellung von Barbara Klemm widmet sich Landschaften und Künstlerporträts. sowie politischen Schauplätzen, die Begebenheiten von historischem Wert festhalten. Klemms besonderes Interesse gilt dem Leben in Deutschland, sowohl in Ost als auch in West. Mit ihrer Kamera fängt sie Alltagstypisches, historische Begebenheiten sowie Zeit- und Lebensgefühl unserer Gesellschaft ein und spürt in ihren schwarzweißen Bildreportagen den historischen Dimensionen nach. Einen Schwerpunkt bilden jene Fotografien, die in Deutschland vor und nach der Vereinigung entstanden sind.

Jahrzehntelang prägten Fotografien von Barbara Klemm das visuelle Bild der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie dokumentierte das politische, gesellschaftliche und kulturelle Zeitgeschehen und entwickelte ein untrügliches Gespür für Ereignisse der Zeitgeschichte.

 

(Pressemitteilung des MfWF Brandenburg, Nummer: 88/09 vom 06.09.2009)
http://www.mwfk.brandenburg.de/cms/detail.php?gsid=bb1.c.172943.de
Bild: Friedericke Sehmsdorf

   
 
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, Termine 2009
 

AUSSTELLUNGEN: BARBARA KLEMM: LANDSCHAFTEN UND KÜNSTLERPORTRÄITS in der Galerie KunstKontor

Barbara Klemm ist eine der bedeutendsten Fotografinnen der Gegenwart

Was ist es, dass die Arbeiten von Klemm so heraushebt?
Barbara Klemm beschränkt sich in ihrer Arbeitsweise ausschließlich auf die Schwarzweißfotografie. Natürliches Licht gehört kompositorisch zum festen Bestandteil der Klemmschen Bilder. Inszenierungen, Arrangements oder künstliches Licht wird man bei Klemm vergeblich suchen. Dennoch haben die Bilder eine unverkennbare Dramaturgie. Es ist die besondere Einfühlung in ein Geschehen, einen Menschen, ein Ereignis, bei der sie kommende Momente in denen ein Bild eine bestimmte ästhetische und kompositorische Qualität haben wird, schon im Voraus ahnt und die Kamera dafür in Bereitschaft hält. Es ist diese spezifische Begabung in Bildern zu denken und damit etwas über die Zeit zu erzählen.Eine kleinen Spiegelreflexkamera oder ihre Leica gestatten Klemm genau diese Momentaufnahmen.

Barbara Klemm hat den Blick für das Besondere einer Landschaft, eines Gesichtes. Immer gelingen ihr Momente von großer Intimität..Von Brandenburgs Landschaften und dem Osten Deutschlands war sie schon lange vor der Wende fasziniert und ihre fotografischen Notate u.a.. zu Büchern von Günther de Bruyns „ Mein Brandenburg“ und „Deutsche Zustände“ scheinen zugleich vertraut als auch fremd. Immer wieder hat sie die Landschaft Brandenburgs und ihre Menschen mit der Kamera erkundet. Die anteilnehmende Distanz, die präzise Beobachtung machen diese Bilder zu wertvollen künstlerischen Dokumenten, so dass die Berlin- Brandenburgische Akademie der Künste die Künstlerin sehr bald in ihre Reihen aufgenommen hat. Barbara Klemm wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Mit ihrer ersten Ausstellung in der brandenburgischen Landeshauptstadt hat nun eine große Künstlerin den Potsdamern ein Geschenk gemacht. Ein schöner Film über die Künstlerin heißt „Schwarzweiß ist Farbe genug!“ - aber nur wenn man die Facetten des Lichts beherrscht wie Barbara Klemm.

 

   
 
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 04. April 2008
 

BESUCH IN ARKADIEN Ausstellung Malerei und Skulpturen in der
Galerie KunstKontor

Der Falkenseer Maler Hermann Lüddecke ist Friederike Sehmsdorf verbunden, seit diese in Falkensee ihre Galerie „Kunstkontor“ eröffnete. Nun beginnt sie ihre neue Saison in Potsdam mit Bildern aus Falkensee.

POTSDAM/FALKENSEE „Ein schöner Raum“, entfährt es Heinz B. Dreckmann, als der die Potsdamer Galerie Kunstkontor betritt. Er ist zum ersten Mal hier, Friederike Sehmsdorf Hermann Lüddecke: Clownessehatte zur Eröffnung der Galeriesaison 2008 geladen. Der Maler Heinz B. Dreckmann war aus Falkensee gekommen, um zu sehen, was ein anderer Falkenseer Maler in der Landeshauptstadt zeigt: Hermann Lüddecke.

Der Maler Lüddecke und die Galeristin Sehmsdorf kennen sich seit 2004. Damals eröffnete die Kunstwissenschaftlerin in Falkensee ihre eigene Galerie, zeigte darin Bilder von Hermann Lüddecke, mit dem sie seitdem immer wieder zusammenarbeitet. Nun hat sie den Künstler nach Potsdam an den neuen Sitz ihrer Galerie geholt. Eine charmante Galerie, wie alle Besucher beeindruckt betonen. Die Räume stellen dabei nicht einfach nur Kunst aus, sie scheinen mit den Bildern und Plastiken zu leben. Friederike Sehmsdorf bietet den Besuchern in der ersten Ausstellung des Jahres 2008 Malerei von Hermann Lüddecke sowie Terrakotten und Bronzen von Robert Metzkes. Unter dem Titel „Sphinx und Muse“ vereint sie die Werke der beiden Künstler, schafft damit eine Klammer für die Arbeiten, die fast alle in den letzten Jahren entstanden sind.

Beide Künstler haben eine Thema: die Frau. Sie huldigen deren Schönheit auf ganz unterschiedliche Weise. „Humor und feine Ironie kommentieren die wunderbare Erotik seiner Geschöpfe und das Verhältnis der Geschlechter zueinander“, beschreibt Frederike Sehmsdorf die Herangehensweise des Malers Hermann Lüddecke. Gern bedient er sich dabei der antiken Metaphern und Mythen, die Bilder „Ödipus“, „Leda“ und „Arkadien“ stehen dafür. Seinen eigenwilligen, unverwechselbaren Stil verfeinert er seit Jahren, die durchdachten Bildkompositionen und der souveräne Umgang mit der FarbRobert Metzkes: Muse auf dem Sockele zeichnen seine Arbeiten aus. In ihnen bleibt trotz gedrängter Bildfülle ein emotionaler Abstand zwischen den Personen, die nackte Frau wird nicht zur Schau gestellt, sie ist beschauens- und bestaunenswert, bleibt aber unberührbar.

Diese Unberührtheit lässt sich auch in den Arbeiten von Robert Metzkes ausmachen. Der aus Sachsen stammende Bildhauer wandte sich Mitte der achtziger Jahre Terrakotta zu. Seine oft großen Skulpturen und Büsten sind farbig engobiert. „Metzkes Figuren strahlen Gelassenheit und arkadische Lebensfreude aus“, lobt die Galeristin die in ihrer Unaufgeregtheit bewegenden Figuren. Dass Metzkes seinen Frauen auch in Bronze wunderbar ein Denkmal setzen kann, das wird in der Ausstellung an kleinen und großen Beispielen deutlich. Das ist Konzentration auf das Wesentliche, das Eigentliches, das Schöne ohne alle Inszenierungen. „Zum Verlieben“, schwärmte denn auch versonnen ein Betrachter – und es war nicht ganz klar, ob er den Terrakottakopf als künstlerisches Produkt oder das junge Frauengesicht an sich meinte.     Marlies Schnaibel (Artikel veröffentlicht ohne Bilder)

http://www.bbaktiv.de/_suche/4426/maz2008/c_200804/
besuch_in_arkadien__ausstellung_malerei.html


 
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 11. JULI 2007
 

52 MÄNNER BETRACHTEN DEN MONDHolzschnitte von Uta Zaumseil sind im Kunstkontor am Jungfernsee zu sehen

Auf der Staffelei im Kunstkontor, der Galerie von Friederike Sehmsdorf am Jungfernsee, steht ein über ein Meter hohes Bild. Der Blick fällt hinauf in von Licht durchbrochene Baumwipfel. Eine Leiter führt aufwärts, darauf aufsteigend in Rückansicht eine männliche Figur.

Auf den ersten Blick erscheint dieses in Grautönen gehaltene Bild eine digital leicht bearbeitete, stark vergrößerte Fotografie zu sein. Ein Irrtum. Es ist ein Holzschnitt. Von der Fotografie hergeleitet ist das Motiv. Für Uta Zaumseil, der Schöpferin dieser Arbeit, ist der Uta Zaumseil: Where is the love?Fotoapparat das Skizzenbuch. Sie sieht die Wirklichkeit durch das Objektiv und scheint damit im verderblichen Trend zu liegen, das als Realität zu nehmen, was Medien abbilden. Sie überträgt den fotografischen Blick auf die Holzplatte. Doch dann beginnt die Rückeroberung der unmittelbaren Wirklichkeit, die in der künstlerischen Transformation ganz zu ihrer eigenen Wirklichkeit wird.

Uta Zaumseil, geboren 1962 in Greiz, ist Holzschneiderin von Jugend an. Ihr Kunstlehrer hatte sie dafür begeistert. Ein späteres Kunstlehrerstudium brach sie ab. Sie blieb Autodidaktin. Bis zum Fall der Mauer arbeitete sie als Buchhändlerin, danach als freischaffende Künstlerin.

Was Respekt einfordert, sind handwerkliche Leistung und technische Souveränität. Ihre Bildstöcke, entweder große quadratische oder extrem lange Platten, erfordern, bei der Arbeit am Detail immer den Überblick über das Ganze zu behalten, im künstlerischen Spannungsfeld zu bleiben, wo es doch erst einmal um saubere handwerkliche Arbeit geht. Gedruckt wird mit den Füßen, was den malerischen Charakter von Farbflächen hervorruft. Es gibt Arbeiten von ihr, wo das Detail, etwa die Struktur von Wasserwellen oder Baumblättern, intensiveren ästhetischen Genuss bereitet als das Bildganze.

Die offensichtliche Absicht, dem fotografischen Blick auch in der Umsetzung auf den Druckstock verpflichtet zu bleiben, lässt ihre Arbeiten geradezu naturalistische Züge annehmen. Doch dann wird das Motiv surrealistisch verfremdet, in den herbstlichen Buchenwald wird die im Laub verdeckt liegende, schlafende Figur hineinmontiert oder auf dem verödeten Bahnsteig von Mehltheuer steht ein Pferd. Zum hintergründigen Witz wird die Situation, wenn in einer farbig konzentrierten wie großflächigen Arbeit mit Titel "Du bist Deutschland" im unendlich sich ausbreitendem Wasser eine männliche Figur mit Aktentasche unterzugehen droht oder wenn auf langgestrecktem Format 252 Männer den Mond betrachten. Spätestens hier fällt auf, dass die Figuren immer in Rückenansicht zu sehen sind. arno (Artikel veröffentlicht ohne Bild)

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10972327/60709/

 

 
MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 15. MAI 2007
 

PREUSSISCHE LANDSCHAFTGalerie "Kunstkontor" debütiert mit Malerei von Nicolaus

Potsdam hat eine neue Kunstgalerie. Ihre Lage ist außergewöhnlich. So abseits vom Stadtzentrum, so fern jeden Laufpublikums, dabei in einer hinreißend schönen Landschaft, gibt es kaum eine Galerie. Und dennoch steht sie inmitten einer historisch herausragenden Kunst- und Kulturlandschaft, die erst wieder entdeckt und belebt werden muss, auch durch das "Kunstkontor" der Kunsthistorikerin, Kuratorin und Galeristin Friederike Sehmsdorf.

Ihre Galerie in der Bertinistraße liegt dort, wo es zumindest für Autofahrer nicht mehr weitergeht. Das ehemalige Gärtnerhaus am Jungfernsee steht in Tuchfühlung mit einer der Nicolaus: Am Ruinenberg IIlegendärsten Villen Potsdams, der heute noch ruinösen Bankiers-Villa Gutmann, die einst eine der größten Potsdamer Privatsammlungen an Kunst beherbergte. Die Bertinistraße war ein Refugium betuchter Sammler und Künstler. Das soll sie wieder werden. Dass es öffentlich bleibt, dafür sorgt nicht zuletzt Friederike Sehmsdorf mit ihrer Galerie.

Ihren Namen als Galeristin, die vor einiger Zeit von Falkensee nach Potsdam kam, hat sie sich bereits mit Ausstellungen in der Villa Kellermann gemacht und damit das Profil der Potsdamer Galerienlandschaft sichtbar bereichert. Es ist gegenständliche Kunst, mit der sie ihr Ausstellungsprogramm profiliert. Es sind vor allem Brandenburger und Berliner Künstler mit Namen, immer wieder aber auch überraschende Neuentdeckungen, die sie mit ihren Werken zeigt.

Den Auftakt in der Bertinistraße macht Nicolaus, gebürtiger Berliner, wohnhaft im Brandenburgischen und seit seiner Jugend durch immer wiederkehrende Begegnungen mit Stadt und Landschaft Potsdam dem Flair des Ortes verfallen. Nach seinen Studien in den Kunsthochschulen Burg Giebichenstein und Berlin-Weißensee hat er sich zu einem originären Maler von Stadtlandschaften entwickelt. So beauftragte Friederike Sehmsdorf ihn für ihre Potsdamer Premiere, sich die hiesige Stadtlandschaft vorzunehmen. 28 Ölgemälde sind so für diese Ausstellung entstanden.

Die Stadt als Motiv bleibt Zitat am Rand der Bilder. Die Parklandschaft hat seine ganze Liebe gefunden, die er sich von der Seele malt. Es sind Seelenlandschaften, die Realität vor Augen und dennoch ganz aus dem Inneren heraus, mit all den sich verklärenden Erinnerungen, aber auch dem Wissen um Tradition und Zwiespältigkeit des Ortes, dennoch mit Begeisterung zum Bild geworden. Kunst und Natur sind Versatzstücke einer Realität, die zu malerisch brillanten Bühnenbildern des Lebens werden. Es sind hochromantische Bilder, ausgebremst mit sanfter Ironie, Selbstironie, wie Nicolaus betont. "Ich bin mutig genug, am Abgrund zu balancieren", am Abgrund des Allzuschönen. Es ist ein Rokokoparadies, das sich verwundert in die Gegenwart versetzt sieht. Nicolaus malt den "Preußischen Frühling" mit der Betonung auf Frühling. Dabei hat nahezu jedes Motiv seinen sehr gegenwärtigen Widerhaken von nächtlich tobenden Zentauren im Park von Sanssouci – Was sind Radfahrer gegen Pferde! – bis zum geistreich hintersinnigen Tableau mit Apoll, der Potsdams Musen in der Baukunst unterweist.    Arno Neumann (Artikel veröffentlicht ohne Bild)

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10931472/60709/

 

 

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KÜNSTLER DER GALERIE

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WIELAND FÖRSTER

MORITZ GÖTZE

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